So holen sich Mieter ihre Nebenkosten mit der Steuererklärung zurück!

Von Eva Biré und Maritta Seitz

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Kosten für Handwerkerleistungen und haushaltsnahe Dienstleistungen können sich sich Mieter mit der Steuererklärung zurückholen.
Quelle: ©Michal Jarmoluk – stocksnap.io


Viele Mieter fürchten die jährliche Abrechnung der Nebenkosten, denn oft kommt mit der Betriebskostenabrechnung auch eine gewaltige Nachforderung ins Haus geflattert. Die Steuererklärung ist mindestens genauso unbeliebt wie die Nebenkostenabrechnung. Dennoch lohnt es sich für Mieter zum Ausfüllen der Einkommensteuererklärung die letzte Betriebskostenabrechnung herauszukramen, denn mit der Steuererklärung kann zumindest einen Teil der bereits gezahlten Nebenkosten zurückgeholt werden.

Lesen Sie in diesem Ratgeber u.a.:


Gesetzliche Grundlagen

Nach dem Einkommensteuergesetz können 20% bestimmter Nebenkosten von der Einkommensteuer abgezogen werden. Voraussetzung ist, dass es sich um haushaltsnahe Dienstleistungen oder Handwerkerleistungen handelt und, dass die dafür geltenden Höchstbeträge nicht überschritten werden.

Beispiele für haushaltsnahe Dienstleistungen sind:

  • Gebäudereinigung
  • Fensterputzen
  • Gartenpflege
  • Winterdienst
  • Abfallmanagement (Vorsortieren von Müll)
  • Straßenreinigung
  • Hauswart
  • Schädlingsbekämpfung

Handwerkerleistungen, die in Zusammenhang mit der Nebenkostenabrechnung von der Steuer abgesetzt werden können, sind beispielsweise:

  • Wartungsarbeiten an Elektro-, Gas- oder Wasserinstallationen, Abwasserentsorgung, Pumpen, Heizungsanlage, Feuerlöschern, Blitzableitern, Fahrstuhl, Gemeinschaftsmaschinen (z.B. Waschmaschinen, Trockner), Müllschlucker, CO2-Warngeräte (Feuermelder)
  • Kehr- Wartungs- und Reparaturarbeiten des Schornsteinfegers (Feuerstättenschau, Prüf- und Messarbeiten sind dagegen ausgeschlossen)
  • Graffitibeseitigung
  • Dachrinnenreinigung
  • Austausch von Verbrauchszählern
  • Abflussrohrreinigung

Dabei können Mieter jedoch nicht die vollständigen Betriebskostenpositionen steuerlich gelten machen. Es dürfen lediglich die Arbeitskosten ohne Mehrwertsteuer einschließlich Fahrtkosten, Maschinenkosten, Kosten für Verbrauchsmittel sowie Entsorgungskosten angegeben werden. Material-, Waren-, oder Lieferkosten können ebenso wenig abgesetzt werden, wie Kosten für Verwaltung oder Müllentsorgung.

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Dasselbe gilt, wenn Mieter auf eigene Kosten Handwerker engagieren. So können alle Handwerkerleistungen, die in Zusammenhang mit Renovierungs-, Erhaltungs- oder Modernisierungsmaßnahmen der Wohnung in Anspruch genommen wurden, ebenfalls steuerlich geltend gemacht werden. Dazu zählen beispielsweise Reparatur- oder Modernisierungsarbeiten an Dach, Fassade, Wänden, Fenstern, Türen oder Bodenbelägen.

Wichtig ist, dass die unterschiedlichen Kostenpositionen, wie Arbeits- oder Materialkosten, auf den Belegen, die mit der Einkommenssteuer eingereicht werden, voneinander getrennt ausgewiesen werden. Nur dann kann das Finanzamt Steuervergünstigungen gewähren. Sie können Ihren Vermieter, beziehungsweise den von Ihnen beauftragten Handwerker, um eine entsprechende Aufstellung bitten.


Welche Höchstbeträge gelten?

Bei Handwerkerleistungen können Kosten in der Höhe von maximal 6.000 Euro in der Steuererklärung geltend gemacht werden. Damit liegt der Höchstbetrag für die erstattungsfähigen Kosten bei 1.200 Euro im Jahr. Bei haushaltsnahen Dienstleistungen können sogar bis zu 20.000 Euro angegeben werden, woraus sich ein maximaler steuerlicher Abzug von maximal 4.000 Euro ergibt. Im besten Fall können Mieter ihre Steuerlast so jedes Jahr um bis zu 5.200 Euro senken.

Neben der Höhe der Ausgaben ist außerdem ist auch die Art der Zahlung entscheidend. Abgesetzt werden können nämlich nur solche Kosten, die per Überweisung oder Lastschrift gezahlt wurden. Wer seine Nebenkosten in bar bezahlt, hat leider schlechte Karten.


1. Hausmeister und Gebäudereinigung

Absetzbar sind zum Beispiel 20% der Nebenkosten für die Arbeiten eines Hausmeisters und die Gebäudereinigung. Diese zählen als haushaltsnahe Dienstleistungen. Achtung: Oft lohnt sich zunächst eine Prüfung, ob Sie diese Kosten überhaupt als Nebenkosten zahlen müssen! Wird die Reinigung von Treppen, Fluren und anderen Gemeinschaftsräumen nämlich vom Hausmeister selbst übernommen, können Sie die Reinigungskosten nicht zusätzlich abgesetzt werden. Dies ist nur möglich, wenn die Arbeiten von einem anderen Dienstleister ausgeführt werden.


2. Heizung

Heizkosten sind nur zum Teil von der Steuer absetzbar. Begünstigt werden nämlich nur Dienstleistungen, von denen in der Steuererklärung 20% abgezogen werden dürfen. Dienstleistungen, die in Zusammenhang mit der Heizung anfallen und in der Nebenkostenabrechnung auftauchen dürfen sind beispielsweise die Wartung und Pflege der Heizung oder der Öltankanlage, der Austausch der Zähler nach dem Eichgesetz, Wärmeablesung oder Kosten für die Reinigung des Schornsteins durch den Kaminkehrer. Verbrauchskosten, die in der Regel den Löwenanteil der Heizkosten ausmachen, können dagegen nicht geltend gemacht werden.


3. Gartenpflege und Schädlingsbekämpfung

Auch 20% der Nebenkosten für die Gartenpflege der Außenanlagen können in der Regel bei der Steuererklärung berücksichtigt werden. Hierzu gehören die Kosten der Pflege gärtnerisch angelegter Flächen einschließlich der Erneuerung von Pflanzen und der Pflege von Plätzen, Zugängen und Zufahrten. Kümmert sich jedoch der Hauswart um den Garten, kann die Gartenpflege nicht zusätzlich zu den Kosten für den Hausmeister geltend gemacht werden.

Im Gegensatz zur Gartenpflege, müssen Schädlingen, wie Mäusen, Ratten, Ameisen, Kakerlaken oder Käfern, meistens nicht regelmäßig und widerkehrend bekämpft werden. Die Kosten für die Ungezieferbekämpfung kann der Vermieter dementsprechend nur in Ausnahmefällen auf die Mieter umlegen Kosten für Ungezieferbeseitigung tauchen dementsprechend nur dann in der Betriebskostenabrechnung auf, wenn zum Beispiel, eine Schädlingsbekämpfung über Jahre erforderlich wird. Wälzt der Vermieter Kosten der Ungezieferbekämpfung mit der Betriebskostenabrechnung ab, können Mieter diese Kosten bei der Steuererklärung geltend machen.


Sie fragen sich, ob es sich wirklich lohnt ihre Nebenkostenabrechnung für Ihre Steuererklärung durchzusehen?

In unserem Rechenbeispiel zeigen wir Ihnen, wie schnell Mieter 400 Euro Steuern sparen können.

Ein Mieter muss mit der Betriebskostenabrechnung folgende Kosten tragen:
500 Euro Personalkosten für Hausmeister
350 Euro Personalkosten für Treppenhausreinigung
400 Euro Kosten der Gartenpflege
750 Euro Kosten für Wartung der Heizung

Bei einer Gesamtsumme von 2000 Euro, ergeben sich 400 Euro (= 20%) Steuerersparnis für den Mieter.


4. Wartung und Reparaturen

In einem Wohnhaus gibt es zahlreiche Einrichtungen und Anlagen, die regelmäßig gewartet und auf Funktionstüchtigkeit geprüft werden müssen. Als Betriebskosten gelten in der Regel auch Kosten für erforderliche Überprüfungen von technischen Anlagen. Wartungsarbeiten fallen regelmäßig an und zählen damit zu den umlagefähigen Betriebskosten, die der Vermieter mit den Mietern abrechnen kann. Die anfallenden, als Nebenkosten geltenden Wartungskosten können bei der Steuererklärung ebenfalls mit 20% in Abzug gebracht werden.

Darunter fallen zum Beispiel Kosten für die Wartung von Heizungsanlagen, Aufzügen, Feuerlöschern, CO2-Warngeräten, Pumpen, Blitzschutzanlagen oder anderen technischen Geräten. Im Gegensatz zu Wartungskosten, dürfen Reparaturkosten nicht in der Betriebskostenabrechnung auftauchen, sondern müssen vom Vermieter getragen werden. Beauftrag der Mieter jedoch auf eigene Rechnung einen Handwerker, um beispielsweise Kleinreparaturen oder Schönheitsreparaturen in der Wohnung durchführen zu lassen, dann kann er seine Ausgaben bei der Steuererklärung geltend machen.

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5. Straßenreinigung und Winterdienst

Vermieter können sowohl Kosten für die Straßenreinigung als auch den Winterdienst mit der Betriebskostenabrechnung auf ihre Mieter umlegen. Die öffentlich-rechtlichen Straßenreinigungsgebühren können Mieter dabei nicht bei ihrer Einkommenssteuererklärung geltend machen. Beauftragt der Vermieter jedoch einen externen Dienstleister zur Durchführung der Winterdienste wie Schneeräumen und Streuen, können Mieter Auch 20% der Personalkosten bei ihrer Steuererklärung berücksichtigen,. Auch hier ist Bedingung, dass diese der Winterdienst nicht vom Hausmeister übernommen wird und, dass Personal- und Materialkosten einzeln in der Nebenkostenabrechnung ausgewiesen wurden.


Sie haben Fragen zum Thema Nebenkosten?
Dann sprechen Sie mit einem unserer Partneranwälte! Als Mitglied von MieterEngel können Sie sich kostenlos zu allen mietrechtlichen Fragen und Problemen beraten lassen. Die jährliche Prüfung Ihrer Betriebskostenabrechnung ist zudem in Ihrer Mitgliedschaft enthalten.


Info: Dieser Ratgeber ersetzt keine Rechtsberatung. Fragen Sie jetzt unsere Partneranwälte um Rat.