Frage zum Mietrecht? – Mit diesen Anwaltskosten müssen Sie rechnen

Von Maritta Seitz

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Anwaltskosten sind für Laien oft schwer einzuschätzen.
Quelle: ©rawpixel – unsplash.com


Rechtsanwälte sind teuer. Davon sind viele überzeugt und scheuen deshalb auch bei schwerwiegenden rechtlichen Problemen den Weg zum Anwalt. Lesen Sie in diesem Ratgeber, mit welchen Kosten Sie bei einer Anwaltsberatung tatsächlich rechnen müssen, wie sich die Kosten zusammensetzen und wie Sie hohe Kosten sparen können.


Was macht ein Anwalt für Mietrecht?

Die Aufgabe eines Rechtsanwaltes für Mietrecht ist es Mietern und Vermietern zu ihrem Recht zu verhelfen. Er kann Mietparteien beraten, vertreten oder vermittelnd als Mediator tätig werden. Wenn ein Mieter oder Vermieter einen Anwalt beauftragt, wird er zum Mandanten des Rechtsanwalts. Zu den typischen Aufgaben des Mietrechtsanwalts gehören:

  • Außergerichtliche Beratung
  • Schriftverkehr im Namen des Mandanten
  • Prüfen und Aufsetzen von Verträgen
  • Prüfungen von Abrechnungen
  • Verfassen von Gutachten
  • Vertretung vor Gericht
  • Mediation (Streitschlichten)


Wie berechnen sich Anwaltskosten?

Ein Rechtsanwalt hat zwei Möglichkeiten seine Leistungen mit dem Mandanten abzurechnen. Er kann im Vorfeld eine schriftliche Honorarvereinbarung mit dem Mandanten treffen, dann bezahlt der Mandant entweder einen festgelegten Stundensatz, oder einen vorab vereinbarten Festpreis. Die andere Möglichkeit ist es, die Leistung anhand des Rechtsanwaltsvergütungsgesetzes (RVG) abzurechnen.


Honorarvereinbarung zwischen Anwalt und Mandant

Wenn Anwalt und Mandant für die Beratung einen festen Preis vereinbaren, ist diese Honorarvereinbarung auf jeden Fall bindend. Das gilt auch dann, wenn sich der Fall komplizierter gestaltet und der Rechtsanwalt mehr Zeit aufbringen muss, als erwartet. Der Abschluss einer Honorarvereinbarung kann für den Anwalt dementsprechend unter Umständen ein Minusgeschäft bedeuten.

Viele Mandanten wollen jedoch böse Überraschungen in Form von hohen Rechnungen vermeiden und möchten deshalb schon vor der Beratung wissen, wieviel sie die Lösung ihres Problems genau kosten wird. Rechtsanwälte kommen deshalb kaum darum herum, ihre Leistung auch unter einer festen Honorarvereinbarung anzubieten.


Vergütung anhand des Rechtsanwaltsvergütungsgesetzes

Das Rechtsanwaltsvergütungsgesetz soll die Kosten für eine Rechtsberatung transparent und nachvollziehbar machen. Wieviel der Anwalt berechnen kann, hängt von der Höhe des Streitwerts ab. Der Streitwert ist der Geldbetrag, um den es bei der Rechtsangelegenheit geht. Für Laien ist der Streitwert einer Mietrechtsangelegenheit nicht immer leicht abzuschätzen.

Beispiele für Streitwerte im Mietrecht:

  • Mieterhöhung: 12-mal die zusätzlich geforderte Miete
  • Kündigung: 12-mal monatliche Nettomiete
  • Prüfung der Nebenkostennachforderung: 1/3 der Gesamtrechnungssumme (AG Berlin-Mitte Az. 11 C 194/10)
  • Untervermietung: 12-mal der monatliche Gewinn
  • Mietminderung: 42-mal angemessene monatliche Mietminderung (BGH Az. VIII ZR 43/15).

Je nach Streitwert wird eine bestimmte Gebühr fällig. Ausführliche Rechtsanwaltsgebührentabellen finden sich in Anlage 2 des Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG). Die Gebühr multipliziert der Anwalt bei der Rechnungserstellung – je nach Tätigkeit – mit einem bestimmten Abrechnungsfaktor zwischen 0,5 und 2,5. Bei der außergerichtlichen Vertretung wird in der Regel der Faktor 1,3 fällig. Einen höheren Faktor darf der Anwalt nur verwenden, wenn seine Tätigkeit besonders zeitaufwändig oder kompliziert war.

Beispiele für Gebühren

  • Streitwert 500€: Gebühr 45€
  • Streitwert 1000€: Gebühr 80€
  • Streitwert 2500€: Gebühr 201€
  • Streitwert 5000 €: Gebühr 303€
  • Streitwert 10.000€: Gebühr 558€

JIst der Streitwert bekannt, lassen sich die voraussichtlichen Anwaltskosten mit Hilfe eines Rechtsanwaltsgebühren-Rechners (RVG-Rechner) online ausrechnen. Lässt sich ein Mieter beispielsweise in einer Mietrechtsangelegenheit mit einem Streitwert von 2500 Euro beraten, muss er eine Rechnung in Höhe von 334,75 Euro erwarten. Das Anwaltshonorar berechnet sich wie folgt:

201,00€ x 1,3 (Gebühr x Abrechnungsfaktor)
———————————————————
261,3€ (Geschäftsgebühr)
+ 20,00€ (Post-Pauschale)
+ 53,45€ (19% MwSt.)
———————————————————
334,75 € (Anwaltshonorar)


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Kosten für eine Erstberatung beim Anwalt

Um teure Überraschungen zu vermeiden, sollte schon im Vorfeld der Erstberatung geklärt werden, welche Kosten der Mandant für ein erstes Beratungsgespräch erwarten muss. Eine kostenlose Rechtsberatung kann nur in der Regel nur erwarten, wer einen Beratungshilfeschein vorlegen kann. Den erhalten einkommensschwache Rechtssuchende unter bestimmten Voraussetzungen vom zuständigen Amtsgericht.


Kosten für gerichtliche Vertretung

Kommt es trotz der außergerichtlichen Beratung zu einem Prozess, kommen weitere Kosten auf den Mandanten zu: Für die Vertretung vor Gericht muss eine Verfahrensgebühr sowie eine Termingebühr bezahlt werden. Die Verfahrensgebühr wird mit dem Faktor 1,3 abgerechnet, die Termingebühr mit dem Faktor 1,2. Hat der Mandant für die außergerichtliche Beratung bereits Kosten auf sich genommen, werden diese in der Regel mit einem Faktor von 0,5 von der Verfahrensgebühr abgezogen.

Bei einem Streitwert von 2500 Euro kann der Mandant bei einem Gerichtsprozess in erster Instanz Anwaltskosten von etwa 466,30 Euro erwarten.

261,30€ (Verfahrensgebühr (= Gebühr x Faktor 1,3))
-130,65€ (Anrechnung der außergerichtlichen Beratung)
———————————————————
130,65€ (Zwischensumme)
+241,20€ (Termingebühr (= Gebühr x Faktor 1,2))
———————————————————
371,85€ (Zwischensumme)
+ 20,00€ (Postpauschale)
+ 74,45€ (19% MwSt.)
———————————————————
466,30€ (Anwaltshonorar für die gerichtliche Vertretung in erster Instanz)


Gerichtskosten und Prozesskosten

Die Kosten für den gesamten Prozess belaufen sich jedoch weit höher. Für den gegnerischen Anwalt werden ebenfalls Verfahrens- und Termingebühren fällig. Sie werden mit denselben Abrechnungsfaktoren von 1,3 beziehungsweise 1,2 berechnet. Für die Gerichtskosten wird in der Regel die dreifache Gebühr fällig. Die Kosten für den gegnerischen Anwalt belaufen sich bei einem Streitwert von 2500 Euro auf 621,78 Euro. Die Gerichtskosten betragen 324,00 Euro. Die gesamten Prozesskosten belaufen sich damit auf 1.412,08 Euro.

Prozesskosten können online mit Hilfe eines Prozesskostenrechners eingeschätzt werden. Der Gerichtskostenrechner gibt jedoch nur Auskunft über Kosten, die im Zivilrecht entstehen können. Bei straf- oder arbeits- oder öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten werden die Gebühren anders berechnet. Wer die Kosten für den Prozess zu tragen hat, hängt davon ab, wer den Prozess gewinnt. In der Regel muss der Verlierer Kosten für den eigenen und den gegnerischen Anwalt sowie die Gerichtskosten übernehmen.


Wer trägt die Anwaltskosten?

Wenn ein Mandat einen Anwalt mit außergerichtlicher Beratung oder gerichtlicher Vertretung beauftragt, geht er einen Vertrag mit seinem Rechtsanwalt ein und verpflichtet sich dementsprechend den Rechtsbeistand für seine Tätigkeiten zu bezahlen. Auch, wenn der Verlierer des Prozesses am Ende dazu verurteilt wird die gesamten Kosten zu tragen, muss der Gewinner seine Anwaltskosten zunächst selbst aufkommen. Er hat jedoch danach einen gesetzlichen Anspruch darauf, die Kosten für den eigenen Anwalt von der unterlegenen Seite zurückerstattet zu bekommen.

Wer eine Mietrechtsschutzversicherung abgeschlossen hat, sollte sich nicht darauf verlassen, dass die Versicherung die Anwaltsgebühren in jedem Fall übernehmen wird. Stattdessen sollten Versicherungsnehmer vorab eine sogenannte Deckungszusage von der Rechtsschutzversicherung einholen und abklären, dass die Anwaltskosten von der Versicherung getragen werden.


Anwaltskosten bei MieterEngel

MieterEngel-Mitglieder können sich zu allen Fragen und Problemen rund um das Thema Mietrecht beraten lassen. Die Beratung erhalten sie von erfahrenen Fachanwälten für Mietrecht oder Anwälten mit Doktortitel. Alle Anwaltsgebühren sind durch den jährlichen Mitgliedsbeitrag abgedeckt, der geringer ausfällt, als die meisten Erstberatungen beim Anwalt.



Info: Dieser Ratgeber ersetzt keine Rechtsberatung. Fragen Sie jetzt unsere Partneranwälte um Rat.